Mittwoch, 19. Dezember 2012

Mein Laufjahr 2012

Eigentlich sollte der Eintrag gestern der letzte für das Jahr 2012 bzw. vor dem Weltuntergang sein. Doch ganz ohne persönlichen Rückblick auf die Saison 2012 geht es dann doch nicht. In einem Satz zusammengefasst war das zu Ende gehende Laufjahr für mich eines der wichtigsten, ohne dass sich dies auch nur im Ansatz in irgendeiner Ergebnisliste zeigen würde: Im Frühjahr mit Übertraining bei jedem Rennen durchgereicht, den Marathon in Mainz auf Sicherheit in 2:50 durchgelaufen und bei den anschließenden Starts stets unter Wert geschlagen. Dies ist die eine Seite der Medaille, die erkennbare. Nicht bzw. nur für wenige zu sehen ist die andere. Dort steht ein Lernprozess auf den kurzen Trainingsstrecken, ein Laufstil, erstmals seit der schweren Verletzung Anfang 2008 wieder in Richtung Normalität tendiert. Dort sind 200m-Tempoläufe mit Spikes in 31 Sekunden ebenso eingraviert wie ein Wettkampf über 1500m mit dem Gefühl, diese Strecke mit Anstand laufen zu können.
Adventslauf 2012 - jenseits von "Gut" und Böse"
Letzteres musste naturgemäß zu Lasten meiner größten Stärke, der Ausdauer, gehen. Leider ist es mir erst im Herbst ansatzweise gelungen, das Training besser auszubalancieren. Das dies so viel Zeit in Anspruch nahm, war und ist natürlich der Trainingsphilosophie geschuldet, mit der ich seit Jahren erfolgreich auf den langen Strecken unterwegs war. Dass diese nicht zum sportlichen Hauptziel des Jahres passte, war zwar klar, wurde aber von mir nicht immer berücksichtigt. Im Ergebnis waren die Leistungseinbußen auf den Strecken ab 10km dadurch viel größer, als sie hätten sein müssen. Die Herausforderung für 2013 wird sein, die Abwärtsspirale zu stoppen und in die andere Richtung zu drehen. Darauf freue ich mich. Die nächsten Trainingswochen bis zur Beginn der Cross-Saison werden ganz diesem Ziel untergeordnet. Ein Trainingslager im alten läuferischen Umfeld passt da nicht rein und wird es auch nicht (mehr?) geben. Der Verzicht wurde mir von diesem Umfeld allerdings auch sehr leicht gemacht. Sportlich gesehen kann ich das ausbalancieren, menschlich ist es einer der größten Enttäuschungen der letzten Jahre. Nicht viel anders geht es mir inzwischen bei den meisten Laufveranstaltungen in der Region, wo ich auch deshalb nur noch selten zu Gast bin. Mehr als kompensiert wird dies allerdings durch das wöchentliche Training mit meiner neuen Trainingsgruppe, das ich schon nach einem Jahr nicht mehr missen möchte.

Der Weg zu einer auch in den Resultaten erkennbar zufriedenstellenden Saison ist weit. Wie weit, dies wurde in den vergangenen Tagen besonders deutlich. Am Sonntag lief ich den ersten Wettkampf nach der Pause ausgerechnet beim Heimspiel in Ebersheim. Nach 39:21 über 10 harte Kilometer mit vielen Wellen und Anstiegen ließ ich es austrudeln. Damit war ich etwa 90 Sekunden langsamer als es um diese Jahreszeit auf dieser Strecke normal wäre. Alles andere wäre aber auch einem Wunder gleich gekommen. Schließlich war kaum zu erwarten, dass ich 4 Wochen nach einer zweiwöchigen Sportpause bessere Ausdauerwerte aufweisen würde als am Ende einer in dieser Hinsicht schwachen Saison. Die Enttäuschung hielt sich denn auch in Grenzen. Und gestern Abend lief ich die beiden 1000er zu Beginn der Trainingseinheit auf der schweren Mulchbahn im Stadion (wer die kennt, weiß, wovon ich rede) bereits wieder in 3:41min. Und zwar ohne ans Limit zu gehen. Da war sie wieder, die zweite Seite der Medaille! 

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